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14
Nov
2005

We are the web or the web is us?

Der Mensch ist schlecht

Neben der besagten Umfrage von Pew Internet and American Life Project haben sich auch andere mit der Vergangenheit und Zukunft des Internet auseinandergesetzt. Ein bemerkenswerter Artikel zu diesem Thema ist von Kevin Kelly in Wired erschienen: "We Are The Web".

KK beginnt, methodisch korrekt, chronologisch in der Vergangenheit und Gegenwart, um hierauf seine Prognosen für die Zukunft aufzubauen.
Ein Punkt, welcher mir bei "The Future of the Internet" etwas zu kurz kommt, wie ich bereits- noch in Unkenntnis KKs Artikels - in meinem Pamphlet "Von Laien und Profis"
bemerkt habe.
Auch er betont, dass die Prognosen aus der Vergangenheit, die für die heutige Zeit getroffen wurden, fast völlig ins leere trafen, und die Entwicklungen, die heute das Internet dominieren, damals völlig unterschätzt wurden, sofern sie überhaupt schon gesehen wurden.
Hier wird allerdings auch deutlich dass er mit dieser Argumentation auch seine eigenen Voraussagen für die Zukunft des WWW ein Stück weit in Frage stellt.
Die Ausführungen KKs über die anfängliche Skepsis großer, unflexibler Branchenriesen aus diversen Marktfeldern ist amüsant, und zeigt, wie schwerfällig solche Unternehmen sind, und wie unfähig, von ihrer gewohnten Geschäftspraxis abzuweichen.
Es bleibt zu hoffen, dass ihnen diese Geschäftsschlappe in den ersten Jahren des .com Booms eine Lehre war, und sie in Zukunft mehr auf Innovationsförderung setzen.
Auch die Episode zur Kommerzialisierung des WWW ist interessant.
Ich wusste nicht, dass es ein Werbeverbot in der ersten Zeit des Internet gab, und die Betonung klar öffentliche Einrichtungen lag, die ja, im Zuge der Zeit den Trend dann doch noch verschlafen haben, wenn man das erbärmliche Onlineangebot von öffentlichen Einrichtungen, Parteien und gemeinnützigen Organisationen betrachtet.
Eine Zahl, die sicherlich jeden schockiert ist die Umlegung der existierenden Websites auf die Weltbevölkerung: 100/Person – unglaublich!
Wirklich interessant wird es aber erst bei der Ursachenforschung für den Erfolg des Internets.
Die Tatsache, dass Nutzern die Möglichkeit gegeben wird, selbst zu gestalten, von KK als „bottom-up takeover bezeichnet, ist hier das wohl stärkste Argument.
Diese Entwicklung schließt auch das bloggen mit ein, eine Entwicklung, die vor 10 Jahren auch niemand so prognostiziert hätte, und die, so zumindest KK ein Stück weit das kreative Schreiben zurück auf die Tagesordnung gebracht hat.
Der Artikel geht sogar noch weiter, und abstrahiert, dass durch das Internet Konsumenten zu Produzenten gemacht werden.
Eine Beobachtung, zwar zutrifft, aber nur teilweise, wie ich finde.
Nach wie vor gibt es genug User, die das Web lediglich konsumieren, also nicht von couch potatoes zu producern, sondern höchstens zu office chair potatoes geworden sind.
Die „Elektrifizierung der Teilhabe“ ist jedoch nicht abzustreiten.
Sie ist der Brennstoff für alle nichtkommerziellen Inhalte.
Die Open-Source Bewegung ist hier sicherlich ein wichtiger Baustein - mich wundert allerdings, dass in diesem Zusammenhang
Softwarepatente nicht als gefährliche Tendenz erwähnt werden.
Aus einer im Text nicht genauer bezeichneten Studie geht hervor,
dass nur 40 Prozent der Webinhalte kommerzieller Natur sind.
Hier wären zwei Aspekte interessant:
Die Entwicklung in der Vergangenheit, und eine Prozentuale Aufteilung der Views auf kommerzielle- und nicht kommerzielle Inhalte, um gesicherte Aussagen über die Aufteilung des WWW treffen zu können.
60 Prozent nichtkommerzielle Inhalte schön und gut. Wenn sich diese 60 Prozent aber aus Webseiten mit wenig views à la "dies ist die Homepage von "Elfriede X"zusammensetzen, liegt für mich die Verteilung der Interessenlagen im WWW anders, als die erste, bloße prozentuale Aufteilung vorspiegeln will.
Bei der Aussicht KKs auf die Zukunft des Internet finde ich besonders erfreulicht, dass er, anders als die Umfrageteilnehmer bei "We Are The Web" abstrahiert, und sich nicht an einzelnen Phänomenen aufhält.
Die These, dass es möglich wäre, das es eines Tages, mehr Produzenten als Konsumenten gäbe, daraus resultierend mehr Upload als Download, finde ich faszinierend, wenn auch nicht wirklich realistisch von meiner warte aus, da es, wie beschrieben, immer konsumierende, passive User geben wird. Nichtsdestotrotz bleibt dieses Gedankenspiel interessant. Wer hat die Zeit, zu konsumieren, wenn alle produzieren?
Produzenten und Konsumenten vereinen sich in einer Person (Prosumers).
Meiner Meinung ein Ideal, wenn auch illusorisch, das durchaus begrüßenswert wäre, denn wer selbst produziert kann andere Produktionen besser bewerten und verarbeiten als ein reiner Konsument.
Die große Vision kommt jedoch ganz zum Schluss.
Zukünftig werden sich die Rechner weltweit lediglich als Fenster ins WWW fungieren, die Arbeit, der Speicher, alles wird im Web erledigt und abgelegt, wie ein gigantisches Hirn, mit Milliarden Synapsen - den einzelnen Usern.
Wie auch ein Gehirn wird dieses Netzwerk lernfähig sein, und zwar gefüttert durch das Nutzerverhalten des Einzelnen, learning by using.
Ist so eine Entwicklung positiv zu sehen?
Datenschützer warnen schon jetzt vor dem gläsernen Individuum.
Ist diese Enwicklungsthese realistisch?
Würden die mächtigen der Welt soetwas zulassen
Wie positionieren sich die einzelnen Staaten mit ihren jeweiligen territorialen Interessen zu einer solchen Entwicklung?
Solange der amerikanische Geheimdienst aus Angst vor zu großer Rechenleistung in den falschen Händen bereits Herzattacken bekommt, wenn Saddam Hussein ein paar X-Boxes heimlich trotz Embargo importiert, um sie an verdiente Gefolgsleute zu vergeben, kann ich mir nicht vorstellen, dass es möglich sein wird, dass man an jedem Ort der Welt über eine solch unvorstellbare Rechenleistung und ein solches Gros an Informationen zu verfügen kann.
Das Internet als Informationsablage sorgt nach KK im Laufe der Zeit dazu, dass es zu einer Art „Aussengehirn“ des Menschen wird.ABlage für alles, was nicht sofort parat sein muss, Gedächtnisstütze für denkfaule. Ein Trend, den ich auch jetzt schon, umindest bei mir selbst ablesen kann.
Jedoch nicht in dem Maße, wie es KK im Weiteren beschreibt.
Laut ihm wird das Internet fest mit unserer Identität verknüpft sein.
Auch das kann ich ein Stück weit nachvollziehen, bedenkt man Parallelwelten, die bereits jetzt schon im Netz existieren.Nicht jedoch, ohne zu schaudern. So verlockend diese Vision der großen Vernetzung auch sein mag, so beängstigend ist sie auf ihren Schattenseiten, denn Information und Innovation, sei es mit noch so positiver Intention ist in der Geschichte der Menschheit schon zu oft in den falschen Händen zum Schlechten verkehrt worden.
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