Altern ist eine schwierige Sache, die mit zunehmendem Fortschreiten nicht unbedingt angenehmer wird.
Bitterschokolade hat mich mit dem Beitrag über
rechtsextreme Alte mal wieder nachdenklich gemacht.
Mir sind pauschal-rechtslastige äußerungen der älteren Generation schon öfter entgegengeschallt, sodass ich ein ähnliches Bild dieses Phänomen hatte, allerdings ohne entsprechend recherchiert zu haben um meine beobachtungen empirisch zu untermauern (auch ich neige zum Verallgemeinern, keine Frage).
Allerdings bin ich in bei der Ursachensuche in meinen bisherigen Überlegungen in eine etwas andere Richtung gegangen. Zwar neigen ältere Menschen augenscheinlich zu schwarz-weiß Denken, allerdings scheint sich hier lediglich die Auswirkung einer tiefer liegenden Problemursache zu zeigen.
Der Mensch sucht stehts nach effizienten und bequemen Wegen das Leben zu Meistern - ansonsten würden wir noch in Höhlen leben - oder eben auch nicht, da wir den evolutionären Wettstreit so ineffizient wohl verloren hätten.
Physisch wirkt sich das so aus, dass man Abkürzung über den Grünstreifen nimmt, oder auch mal das Auto anstelle des Fahrrads bemüht.
Aber auch psychisch findet eine solche Effizienzoptimierung statt. Der Mensch tendiert dazu, möglichst effizent mit seinen kognitiven Ressourcen umzugehen.
Für subjektiv weniger wichtige Dinge werden auch weniger Ressourcen angewandt, man knausert.
Hier werden einfache Lösungen bevorzugt ein schwarz-weiß-Denken.
Der Idealtyp des aufgeklärten, mündigen Bürgers sollte sich wohl darüber bewusst sein und versuchen, so weit es geht umfassend informiert zu sein und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Wo es ihm in der Realität nicht mehr möglich ist, regieren jedoch Stereotype und Vorurteile.
Ich könnte mir nun vorstellen, dass hier im Alter schlichtweg Ermüdungserscheinungen auftreten. Man wird müde, will sich nicht mehr ständig mühen und alles hinterfragen. Das differenzierte Aufnehmen und Einordnen von Informationen ist auf psychischer Ebene anstrengend und wird es mit zunehmendem Alter vermutlich noch mehr, wie das Bewegen eben auf der physischer Ebene.
So verfällt man irgendwann der Versuchung, immer mehr und mehr der früher einmal wichtigen kognitiven Kriegsschauplätze, für die man viel Ressourcen aufbrachte und bei denen man offen für neue Informationen war, zu den weniger wichtigen zu verlagern, vorgefertigte Meinungen, Klischees, Stereotype und Vorurteile auszubilden und sich so unbewusst zu entlasten
Manche sträuben sich länger, andere haben schon in jungen Jahren erstaunlich viele einfache Lösungen parat, wohl je nach
mentaler Kapazität aber irgendwann trifft es sie.
So haben Ältere oft nicht nur über Ausländer, sondern auch über Politiker, Automarken, Kirchen und was auch immer derart festgefahrene Meinungen, dass man oft nur noch mit offenen Mund dasteht.
Zum Glück kennt man auch entsprechende Gegenbeispiele, zu denen man auch in hohem Alter noch aufsehen kann, die nach wie vor streitbar sind und die einen hoffen lassen, dass man es ein Leben lang schafft der Versuchung zu wiederstehen, es sich zu machen.
viva mente!
Nachtrag: Bleibt zu hoffen, dass man es nicht bereits zu bequem gemacht hat und es nur nicht merkt, da man aus lauter Bequemlichkeit die Anzeichen hierfür missachtet und nur sein Vorurteil über sich selbst, sein Selbstbild nicht anpasst.